“Aller Anfang ist (nicht) schwer”

Veröffentlicht am 18. November 2025 um 16:36

Für einen Künstler ist das Wichtigste nicht nur hinzusehen, sondern zu sehen…“

Tatyana Doronina


An einem neuen Start des Bildes „Handwerkerin“ nach dem Motiv des Bildes von T. Doronina versuche ich zu erklären, wie man sich zum Arbeitsprozess vorbereitet, wie man beginnt, worauf man dabei neachten soll und worauf es ankommt,  durchzuhalten bis das Bild fertig gestickt wird. 

Ein wenig Info, warum ich dieses Bild ausgewählt habe:

Tatyana Doronina ist eine freiberufliche Künstlerin, die online unter dem Namen Data bekannt ist. Als freiberufliche Künstlerin genießt sie ihre Freiheit und gestaltet Illustrationen für Bücher, Werbung und Postkarten. Ihre Bilder bzw. Postkarten kann man im Internet anschauen. Außerdem malt sie gerne Porträts, die außergewöhnlich gut gelingen.

 

Für ihre Arbeiten nutzt Tatyana digitale Technologie – ein Grafiktablett. Ihre Arbeiten eignen sich gut und deshalb werden oft von Desinger als Vorlage bzw. als Motive für Stickbilder gewählt. Sie sind farbenfroh und es ist für jede Stickerin ein Genuss, so eine große Farbpalette haben. Diese Stickarbeit besteht aus 61 Grundfarben und mehreren gemischten Farben, es werden Kreuze mit 2 und 1 Faden gestickt und mit dem Metallic ergänzt. Freude pur sofort anzufangen, aber…


Womit beginnt man?

 

1.

Bevor man beginnt, sollte man die Hinweise und Tipps, die mit einem Kreuzstich-Set mitgeliefert wird, gut studieren. Die beigefügte Tabelle, welche Symbole sie enthält und die Erklärung, mit welcher Technik sie gestickt werden. Nimm dir ruhig genug Zeit dafür. Je besser du dich damit auseinandersetzt, desto weniger läufst du der Gefahr entgegen, Fehler in deiner Stickerei einzuarbeiten.

 

Als Beispiel die beigefügte Schema für Garn und Sticktechnik des Bildes „Handwerkerin“… 


Hier werden alle Symbole mit den Hinweisen, wie sie gestickt werden sollen, aufgelistet. Ich habe mir Kopie davon gemacht, um die Originale zu schonen. Vielleicht will jemand später auch dieses Bild, so bleibt der „Schlüssel“  mit dem Schema heile.  

Natürlich, sieht alles ziemlich verwirrend aus, aber nur weil es mehrfarbiger Bild ist. Mehrfarbig bezeichnet man Bilder mit 100-200 Farbennuancen.

 

Für Anfänger gibt es ganz einfache und übersichtliche Schematas mit wesentlich kleinerer Farbenpalette, bestehend aus 5-10 Garnen. Deshalb falls du zum ersten Mal sticken willst, suche dir ein Set für Anfänger, zum Beispiel ein Lesezeichen. Ich habe selbst mit einem Lesezeichen angefangen und war vom Ergebnis nicht enttäuscht.

 

Die Größe des künftigen Bildes


2.

Also, ob klein oder groß, bei einem Stick-Projekt ist der Anfang immer gleich: es wird empfohlen, mit dem Sticken aus der Mitte des Bildes anzufangen. Diese Methode nutze ich auch. Als Erstes, finde ich die Mitte des beigefügten Stickstoffes.

 

Dabei sollte man erstmal die angegebene Größe des Bildes beachten. Ist es quadratisch, z.B. 20x20 cm, dann wäre es ganz gleich, in welche Richtung zu sticken beginnt. Ist jedoch das künftige Bild ein Rechteck, ist es um so mehr zu beachten,  die Mitte des Stoffes und die Mitte des Bildes richtig zu ermitteln, denn bei einem Rechteck nur die gegenüberliegenden Seiten gleich lang sind.

 

In meinem Projekt ist es ein Rechteck, die Größe 38,7 cm x 37,5 cm. Der Unterschied ist jedoch so gering, dass man dabei nicht zu viel Beachtung schenken muss. Meistens sind die freien Ränder ca. 5 cm an allen Seiten und 1 cm Verschiebung spielt keine große Rolle. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, gerade beim Beginn, den Stoff und Schema zu betrachten und richtig den Stoff einzuspannen.

Bei runden Stickrahmen mache ich eine Markierung mit Faden oben🪡, denn gerade bei runden Stickrahmen sollte anfangs nichts schief gehen. Ich empfehle herzlichst es tun, dann ist man auf sicherer Seite. In meinem Fall ist es ein Sofastickrahmen, hier kann man sich nicht vertun, wo oben und wo unten ist. ☺️

 

Die Mitte in Aida-Stoff ist gefunden und mit einer Nadel fixiert. Hier beginnt meine Stickarbeit.


Tipps: Manche markieren mit dem speziellen wasserlöslichen Stift alle Raster wie auf dem Papier- oder in einer Digitalschema angegeben wird. Es ist hilfreich für die Orientierung und die Kontrolle während des Arbeitsprozesses. Insbesondere bei der Methode Thread Parking*. Ich bevorzuge Farbe-für-Farbe* (FfF)-Methode und deshalb verzichte auf die Markierung auf meinem Stoff. Auch für Anfänger ist die FfF-Methode zu empfehlen. Diese Methode hilft, die Technik des sauberen Stiches zu erlernen.

 

Die Unterschiede zwischen dieser beiden Stickmethoden werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag erklären.

 

61 Garne auf den Organizer aus Pappe…


Unsere „Needlewoman“ wird mit dem Garn in 61 Farben gestickt, dieser Garn ist bereits auf einem Organizer aus Pappe dem Set beigefügt. Aus der Erfahrung weiß ich, dass während des Prozesses solche Organizer nicht auf Dauer halten und reissen, deshalb habe ich mir verschiedene Organizer aus Plastik geholt. Die Stickgarne habe ich an diese Plastikorganizer angebracht. 

Ich lasse ein paar Fäden auf dem Originalorganizer zur Orientierung als eine Art Sicherheit, um bloß keinen Fehler  zu machen. Die Fehler bei der Farbpalette ist verheerend 😳🫣.  Solltest du aber zum falschen Garn greifen und dann später deinen Fehler entdecken, ist es nicht dramatisch. Man nimmt Nahttrenner und löst die Kreuze vom falschen Faden, dann macht man es weiter wie in der Schema angegeben.

Ich habe mir noch eine Palette mit Symbolen und gemischten Garn gemacht, um nicht Zeit zu verschwenden während der Arbeit. Es ist nicht nötig, aber erleichtert später den Zugriff  zum richtigen Garn. Während des Prozesses kann man leicht sich vertun, so hat man aber in Ruhe alles vorbereitet - und es sollte  dadurch keine Fehler unterlaufen. 👍

 

Richtig oder falsch eingeordnet?  Ich muss sie beziffern ohne Frage… 

3.

Nun, Garn ist sortiert, Anweisungen für Technik durchgelesen, der Stoff ist auf den Rahmen gespannt. Jetzt ist die Papierschema dran. Es gibt auch digitale Schemen, die man mit dem speziellen Programm laden kann. Alle, die sich damit arbeiten, wollen nicht mehr zum Papierschema zugreifen. Ich bin noch nicht verwöhnt, habe nur eine Papierschema. Deshalb muss ich mich damit auseinandersetzen. Ich nehme einen gelben Marker dazu, ich markiere damit meine fertig genähten Kreuze auf dem Papier. So finde ich schnell, was ich bereits gestickt habe, wo ich stehen geblieben bin und kann sofort dort weitermachen. Auf den kleinen Schemen verzichte ich darauf, hier aber kann man schnell die Übersicht verlieren (6 Blätter). Ich hole einen hitzelöslichen Marker. Wenn ich das Bild komplett gestickt habe, kann ich die Markierung wegradieren. Sehr praktisch!


Diese Schema besteht aus 6 DIN A4 Blätter, sie muss ich erstmal sortieren, denn sie ist groß und notgedrungen lege ich alles auf dem Fußboden, um zur Übersicht gelangen. Die Blätter sind nicht beziffert, dass erschwert die Vorbereitung. Manche Schemen haben Bezeichnung, diese nur Pfeile für die Ausrichtung. Man kommt auch damit klar. Aber für mich versehe ich jedes Blatt mit einer Ziffer. Danach ermittle ich die Mitte der Schema, sie findet man mit Hilfe von kleinen Pfeilen, die in jeder Schema immer vorgezeichnet sind.

Mitte vertikal 

Mitte horizontal 

Man folgt den imaginären horizontalen und vertikalen Pfeilen. An dem Treffpunkt  dieser Linien markiere ich  die Mitte des Papierschemas. Das ist gleichzeitig der Startpunkt, wo man die Arbeit beginnen muss. Bei kleineren Schemas ist es leichter zu finden, da es nur auf einem Blatt zu sehen ist. Diese Markierung ist immer notwendig, wenn man keine Rastermarkierung auf dem Stoff hat. Wenn man diese Markierung gemacht hat, dann kann man aus beliebiger Ecke die Arbeit beginnen. Bei Markierung auf dem Stoff nimm bitte wasserlösliche spezielle Stifte. Es gab einen oder anderen, der einfachen Bleistift o.ä. genommen hat und die Markierung blieb auf dem Stoff und man könnte sie sehen. Die ganze Arbeit ist ruiniert. Ein Horror für jede Stickerin!!! Allein deshalb verzichte ich die Markierung auf dem Stoff.

 

Von dem ermittelten Mittelpunkt beginnt man sticken. Ich wähle den Symbol „C“. Finde in der Tabelle die Nummer des Garns und schaue darauf, in welcher Technik es gestickt werden soll. Es ist die Nummer 66, ein Kreuz mit zwei Fäden. Ich mache die Befestigung mit einer Schlinge, dafür nehme zwei Enden des Fadens ziehe sie durch das Nadelöhr, sodass an einem anderen Ende des Fadens eine Schlinge bildet.  Verschiedene Methoden der Befestigung des Fadens findest du hier.

Der Symbol C - die Nummer 66

Einfädeln und…

den Faden befestigen…

Die erste Halbkreuze nach dem Muster sticken… Sie sind in einer Gruppe, sodass man  mehrere in einem Zug sticken kann. Dafür beginne ich mit Halbkreuzen von links nach rechts,…

 

… dann schließe ich die Halbkreuze von rechts nach link. Erste Gruppe ist fertig. 

 

Erste Kreuze sind fertig…

Es ist schon etwas zu erkennen…Mir gefällt es, die „Entdeckungsreise „ beginnt und ich fühle mich sehr wohl dabei. Das is es 😍😅 


Ich sticke Farbe-für Farbe, deshalb suche ich die nächste Gruppe mit dem Symbol „C“ und sticke diese auch fertig. Wenn der  Faden endet, entscheide ich mich für die nächste Farbe, die naheliegend der gestickten Kreuzen ist. So, pö a pö, bewege ich mich vorwärts. Die Lippen der „Handwerkerin“ sind fertig und dafür benötigte ich insgesamt 8 verschiedenen Farben, klare und gemischte. Dadurch sieht der Mund der „Handwekerin“ lebendig und natürlich. Das ist der große Unterschied zwischen einem Stickbild vom Desinger und einem Bild, das nur durch einem spezielles Programm im Computer hergestellt worden ist.

Wie man solche Unterschiede bei einem Bild feststellen kann, plane ich für die Zukunft einen Beitrag in meinem Blog zu machen. Denn es ist tatsächlich wichtig bei der Auswahl eines Stickbildes. Wir alle haben nicht viel Zeit und es ist schade darum, wenn man am Ende mit dem Ergebnis unzufrieden bleibt.

 

Bei dieser Arbeit muss ich mich nicht davor fürchten. Die Zeit, die ich dafür investiere, wird sicherlich belohnt. Bevor ich diesen Set gekauft habe, sah ich die fertig genähte Bilder an und las die Erfahrungen anderer StickerInnen. Alle sagen wie im Chor, dass das Sticken leicht von der Hand ging und das Ergebnis toll aussieht! Ich bin guten Mutes und sticke weiter…

Nun, wie sieht es bei Dir aus? Bist Du bereit, etwas Neues auszuprobieren? Zuerst was ganz Kleines vielleicht? Wenn ja, dann wünsche ich Dir guten Start und gleichmäßige ebene erste Kreuzchen!

Vergiss nie die Regel: alle Kreuze sollten in die gleiche Richtung gestickt und geschlossen werden!

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